Zwischen Spannng & Hingabe: Über weibliche Lust und Lubrikation
- Katharina Köberl
- vor 5 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Es gibt Themen, über die viele Frauen nachdenken —aber nur wenige wirklich sprechen.
Das Feucht-Werden der Vagina gehört oft dazu. Denn obwohl Lubrikation häufig als etwas „Natürliches“ betrachtet wird, erleben viele Frauen Phasen, in denen genau das nicht oder nur schwer passiert. Und oft entsteht daraus sofort die Frage: Stimmt etwas mit mir nicht?
Doch Lust ist kein Schalter. Der Körper funktioniert nicht unabhängig von unserem Nervensystem, unseren Hormonen, unserer Anspannung oder unserem inneren Erleben. Er drückt sich dadurch aus.

Weibliche Lust beginnt nicht nur im Körper
Oft wird Sexualität sehr mechanisch betrachtet. Als würde Erregung automatisch entstehen, sobald „das Richtige“ passiert. Doch weibliche Lust ist meist vielschichtiger.
Der Körper möchte nicht nur stimuliert werden. Er möchte beteiligt & akitv sein:
Was empfinde ich als erregend? Welche Fantasien öffnen etwas in mir? Wann fühle ich mich wirklich verbunden — mit mir selbst oder mit einem Gegenüber? Viele Frauen haben gelernt, sexuelle Fantasien eher zu bewerten als sie als Ressource zu verstehen. Dabei kann genau diese innere Welt eine Brücke sein — zwischen Kopf, Körper und Lust.
Disclaimer: Lust ist nicht messbar an Feuchtigkeit
Und gleichzeitig ist es wichtig zu sagen, in einem Beitrag, wo es um das Feucht-Werden der Vagina geht: Lubrikation ist nicht der einzige Ausdruck von Lust. Viele Frauen erleben Erregung, Nähe oder sexuelles Interesse, ohne dabei automatisch feucht zu werden. Genauso kann Lubrikation entstehen, ohne dass sich der Körper innerlich wirklich verbunden oder bereit fühlt. Unsere Körper sind nicht linear, sie sind ein komplexes System. Deshalb kann Feuchtigkeit ein möglicher Ausdruck von Erregung sein —aber nicht ihr Beweis.
Vielleicht hilft genau das, etwas Druck aus Sexualität herauszunehmen. Denn Lust lässt sich nicht ausschließlich daran erkennen, wie ein Körper reagiert. Manchmal zeigt sie sich viel leiser. In Wärme. In Offenheit.
Wenn Spannung Lust verändert
Ein weiterer Aspekt, über den wenig gesprochen wird, ist muskuläre Spannung. Viele Frauen tragen unbewusst Anspannung im Becken, im Bauch oder im gesamten Nervensystem - meist nicht sichtbar und auch nicht spürbar, weil es zur Gewohnheit geworden ist. Das bedeutet nicht, dass „etwas falsch“ ist. Anspannung bedeutet auch die Möglichkeit der Erregungssteuerung. Doch leider nicht nur. Gerade im Zusammenhang mit dem Beckenboden begegnet mir häufig ein Missverständnis: Beckenbodentraining wird oft ausschließlich mit Aktivierung verbunden —mit Kraft, Halten und Training. Doch Lust braucht nicht nur Spannung. Sie braucht auch Beweglichkeit. Weichheit. Loslassen.
Denn häufig entsteht intensiveres Spüren nicht durch mehr Aktivität, sondern durch die Fähigkeit, Spannung wieder abzugeben.
Die Rolle von Östrogen
Auch hormonelle Veränderungen können Lubrikation beeinflussen. Östrogen spielt eine wichtige Rolle für die Durchblutung, die Schleimhaut und die natürliche Feuchtigkeit der Vagina. Nach Geburten, in Stillzeiten, unter Stress oder im Wechsel kann sich dieser Hormonhaushalt verändern. Und damit oft auch das körperliche Erleben von Lust.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass Sexualität „nicht mehr funktioniert“. Manchmal braucht der Körper einfach andere Wege.
Über Unterstützung — und kleine wichtige Informationen
Gleitmittel können dabei unterstützend sein. Es gibt Gleitmittel auf Wasserbasis, Ölbasis oder Silikonbasis. Wichtig zu wissen ist dabei: Ölbasierte Gleitmittel sollten nicht gemeinsam mit Kondomen verwendet werden, da sie das Material beschädigen können.
Vielleicht beginnt Lust dort, wo Druck endet
Viele Frauen versuchen, Sexualität über mehr Anstrengung zu lösen. Mehr Training. Mehr Funktionieren. Mehr „richtig machen“. Doch oft entsteht Veränderung nicht dort, wo es enger wird, sondern wo mehr Weite entsteht. Vielleicht beginnt Lust nicht mit Tun. Sondern mit dem Gefühl, wieder bewohnen zu dürfen, was ohnehin schon da ist.

Bildquellen: Pinterest



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