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Alchemie der Sinnlichkeit

Was ist Sinnlichkeit? Woraus ist sie gemacht? Welchen Ausdruck wählt verkörperte Sinnlichkeit? Wie fühlt es sich an? Wie intensiviert sie sich? Kurzum: Was ist die Alchemie der Sinnlichkeit?



Das sind Fragen, die sich Menschen stellen.

Ich könnte an dieser Stelle eine Abhandlung schreiben.

Eine TO-FEEL-LIST notieren. Über den Vagusnerv sprechen. Über das autonome Nervensystem. Über Sinnlichkeit aus der Sicht von Sexocorporel. Über das Resonanzphänomen.


Ein Teil von mir steht in den Startlöchern, und doch zögere ich.

Ginge das nicht genau am Thema vorbei?

Ein Sinnlichkeitsskript, um dich von A nach B zu bringen?

Ein Leitfaden für richtige Sinnlichkeit in drei Minuten Lesezeit.

Folge diesen Tipps und Tricks zu deinem sinnlicheren Ich.


Ich drehe um.

Verlasse die mentale Rennbahn.



Nebenan liegt ein Waldstück mit verschlungenen Wegen.

Die Luft verändert sich, wird kühler, erfrischt.

Der Boden ist weich unter den Schuhen. Die Äste sind mit zartem Grün bekleidet, das auf meine Netzhaut trifft.


Es raschelt. Eine Amsel flieht aus dem Gebüsch.


Licht überzieht den schmalen Weg, der sich durch das Dickicht schlängelt.


Meine Hand berührt die Rinde eines Baumes – eine glatte, feste Oberfläche. Eichhörnchen hüpfen von Ast zu Ast und vollführen Pirouetten in der Luft. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein.


Ich ziehe die Schuhe aus und gehe barfuß weiter.


Der Boden ist feucht, Nadeln und Wurzeln liegen mir zu Füßen. Ich beginne, mit den Sohlen zu tasten. In der Ferne ein leises Plätschern. Ich folge meinen Ohren.


Ein kleiner Bach liegt am Waldrand. Das Wasser schmiegt sich an jeden Stein und folgt seinem Weg, gleitet mühelos in jede Form.


Ein Moment der inneren Unsicherheit.


Dann steigen meine Füße vorsichtig in den Bach. Die Kälte fährt durch meine Adern. Ein tiefer Atemzug. Der Kopf im Nacken, die Augen fest geschlossen.

Lange bleibe ich nicht, es rüttelt mich durch.


Und doch vergehen noch einige Momente, bevor ich das eisige Wasser verlasse.

Die Zeit steht erneut still.


Nebenan eine Wiese mit hohem Gras.Vereinzelte Blumentupfer locken Bienen an.


Ich spaziere hinein. Geschmeidig rollen meine Sohlen über das Gras, finden ihren Weg.

Da gibt es eine Stelle, an der ich lange verweile. Mein Blick streift über die Grasspitzen, wandert in die Ferne.


Eine Mohnblume blüht gleich neben mir. Ihre filigranen Blätter, dünner als ein Schmetterlingsflügel, werden vom Wind berührt. Er stupst sie an, und sie folgt seiner Richtung.


Ich beuge mich zu ihr und rieche daran. Ein betörender Duft vernebelt meine Sinne mit jedem Einatmen. Meine Fingerspitzen berühren eines ihrer Blütenblätter. Kaum merklich.

Wie etwas so Feines solche Duftwolken zaubert.


Ich lasse meine Hand sinken.


Irgendwo zwischen kaltem Wasser, rauer Rinde und diesem schweren Duft verlieren die Fragen ihre Schärfe.

Was ist Sinnlichkeit?

Vielleicht nicht etwas, das ich beantworten kann.

Vielleicht eher etwas, in das ich falle.

Immer und immer wieder.





 
 
 

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